Kerstin hat nicht nur einen Vogel

 

Kerstin Mildenberger ist seit August 2012 Mitglied in unserem Verein und lebt zuhause mit ihrem Mann Günni und vier Nymphensittichen zusammen. Doch diese Vögel alleine waren ihr nicht genug und so hat sie sich mit viel Ruhe und Geduld das Vertrauen einer Vielzahl unserer Papageien erworben.

 

Begonnen hatte es mit Kakadu „Kakadu“, der sich regelrecht in Kerstin verliebt hatte. Als Gogo jedoch dazu kam, verbrachten die beiden Kakadus ihre Tage zusammen und es wurde ungemütlich – für Kerstin. Denn auch bei den Kakadus gibt es Eifersucht.

 

Einmal wöchentlich fand sich also Kerstin zur Kuschelstunde bei den Papageien ein und lernte dabei viel über die auch zum Teil artgeschützten Tiere. Nicht nur einmal ist es passiert, dass Kerstin aus Versehen im Papageienhaus eingeschlossen wurde und sie manchmal sehr viel Geduld brauchte, bis jemand zufällig vorbei kam, um sie zu erlösen.

 

Inzwischen kuschelt Kerstin nicht nur mit den Papageien, sondern hilft wenn es ihre Zeit erlaubt, bei deren Versorgung und hat im Büro alle mit den Papageien zusammen hängenden Verwaltungsarbeiten übernommen. Anmelden, abmelden, ummelden und was sonst noch dazu gehört. Außerdem ist sie für die Anmeldung unserer Feste bei der Stadt Weiterstadt zuständig und hilft gerne, wo immer sie gebraucht wird.

 

Hätte Kerstin nicht schon eine Arbeitsstelle, würden die Papageien und wir sie mit Haut und Haaren vereinnahmen.

 

So berichtet Kerstin, dass sie auch immer mal wieder in die Lage kommt, gefiederte Streithähne auseinander bringen zu müssen. Diese Schnäbel können schwer und nachhaltig verletzen und das kann teuer werden. Einmal ist ihr Graupapagei Willi, von ihr liebevoll „Gemüse-Willi“ genannt, weil er so gerne ihr selbst gekochtes Gemüse frisst, von anderen so schlimm attackiert worden, dass er in seiner Not direkt auf ihre Schulter geflogen ist, um Schutz zu suchen. Und da saß er dann, bis sich die Anspannung wieder gelegt hatte. Anzumerken ist, dass Gemüse-Willi es gar nicht so mit Menschen hatte. Sein Vertrauen hatte Kerstin sehr geehrt.

 

Ein Molukken-Kakadu wurde in Kerstins Beisein von einem großen Ara in die Ecke gedrängt und angegriffen. Wäre sie nicht dazwischen gegangen – so ein Beinchen ist nichts für einen Ara-Schnabel .........

 

Grundsätzlich vertritt Kerstin die Meinung – und das ist auch unsere, dass Vögel nicht in Gefangenschaft gehören, sie haben in Menschenhand nichts zu suchen. Der Mensch kann sie nicht artgerecht unterbringen, egal wie groß und schön eine Voliere ist. ARTGERECHT IST NUR DIE FREIHEIT!

 

Aber unsere Papageien sind nun mal da und einige von ihnen wollen oder brauchen den Menschenkontakt. Sie sind fehlgeprägt worden oder haben mit ihren Artgenossen schlechte Erfahrungen gemacht, konnten aus Platzmangel Kämpfen und Streit nicht ausweichen und sind damit negativ vorbelastet. Kakadu ist dafür ein Beispiel, auch der Kongo-Graupapagei Max oder Sissi, eine verschmuste Goffini-Dame. Papageien sind Schwarmtiere, die Nähe und Zuneigung brauchen. Wenn sie mit ihren Artgenossen nichts anfangen können oder sogar Angst vor ihnen haben, dann finden wir es in Ordnung, wenn man ihnen ein bisschen die Seele streichelt. Was haben sie denn sonst für ein Leben, so ganz ohne soziale Kontakte. Wollten wir das? Und deshalb glauben wir, dass man hier nicht über einen Kamm scheren darf. Man muss hinschauen, es gibt solche und solche. Kerstin hat sich noch keinem Vogel aufgedrängt, hält sich dezent zurück. Wer nicht will, der will nicht. Und wer den Mut hat oder Lust, der kommt schon von ganz alleine. Je weniger kommen, umso glücklicher ist Kakadu. Dann hat er „seine“ Kerstin eine kleine Weile für sich alleine.

 

Während Kerstins Kuschelstunden bekommt sie auch so allerlei Gespräche und Eindrücke unserer Besucher mit. So zum Beispiel gemurmelte Kommentare, wie schön das Gelände geworden ist, wie sich das Gelände im Vergleich zu früher positiv verändert hat. Die großen schönen Papageienvolieren mit den vielen bunten Früchten und frischem Gemüse in den Ästen und Tellern fallen ins Auge. Interessierte Besucher stellen auch direkte Fragen und möchten mehr über das Schicksal der Vögel und über die Arbeit des Vereins wissen. Oder Ausrufe wie „och, guck doch mal da, die werden ja sogar gekrault, wie schön sich hier gekümmert wird.“ Das ist Balsam für Kerstins Seele und sie behauptet, dass sie das schönste Ehrenamt der Welt hat.

 

Vielleicht möchten Sie auch Ihr Glück im Ehrenamt finden? Dann melden Sie sich bitte bei Alfred Günkel per Mail seminare@kellers-ranch.de oder telefonisch unter 06151-592827. Er nennt Ihnen gerne den Termin für das nächste Treffen der Ehrenamtlichen HelferInnen, zu dem neue Interessierte herzlich willkommen sind.

 

24.10.2016

Ingrid Günkel – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit