Erste Fellpflege: Karin Lungershausen vom Tierschutzverein Heppenheim mit Mathadi. Foto: Tierheim HEPPENHEIM.

27. Februar 2013

Ein Bild des Jammers

 

Tierschutz – Gleich 52 verwahrloste Katzen aus einem Wohnhaus müssen vom Tierheim untergebracht werden.


Ein Bild des Jammers bietet die Quarantänestation im Heppenheimer Tierheim am Wochenende. In jeder Box hockt ein Häufchen Elend, drücken sich Katzen, die nur noch aus Haut und Knochen zu bestehen scheinen, apathisch in eine Ecke. Ma, ein schmächtiges Maine-Coon-Muttertier, stakst auf steckendürren Beinchen ans Gitter, maunzt kläglich. Ihr Pelz ist fadenscheinig, stellenweise scheint die nackte Haut hindurch, die mit verschorften Placken überzogen ist. Der Schwanz nur noch ein rosa Fleischstrang, mit wenigen verklebten Härchen besetzt, so, als hätten sich ihre zwei Babys auf der Suche nach der Milchquelle verzweifelt darüber hergemacht. Fünf, sechs Wochen sind die beiden Katzenmädchen alt, sehr schwach und stark verschnupft. Zeichen schlechter Haltung, die sich schon beim ersten Augenschein bei allen 52 Tieren finden, die das Veterinäramt in einem Wohnhaus beschlagnahmt und dem Tierschutzverein übereignet hat. Verwahrlost, mit verfilztem Fell, eitrigem Ausfluss, Bindehautentzündung, blutigem Durchfall: „Es wird eine ganze Zeit dauern, bis wir sie wieder soweit aufgepäppelt haben, dass wir sie vermitteln können“, schätzt Tierheimleiterin Antje Schütz. Mit Lisa Immerschitt, der Auszubildenden im dritten Lehrjahr, hatte sie sich auf den Weg gemacht, die Tiere einzufangen und nach Heppenheim zu bringen, Handschuhe, Kescher und 38 Katzenkörbchen im Laderaum des Tierheimtransporters anbei.


Denn dass es statt der erwarteten etwa 40 Schützlinge ein Dutzend mehr wurden, hatte sich erst vor Ort herausgestellt, nachdem alle Räume durchsucht, die Möbel gerückt, jedes Sofakissen gewendet und alle Verstecke um- und umgekehrt waren, Perser- und Maine-Coon-Katzen – Weibchen, kastrierte und nicht kastrierte Kater sowie etlicher Nachwuchs – auf Nummer Sicher in Richtung Tierheim unterwegs waren. Dass in Heppenheim nicht genug Platz sein würde für die Neuankömmlinge, war Antje Schütz schon zuvor klar gewesen, dafür gibt es seit einigen Jahren die Kooperation von Tierschutzvereinen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Unter dem Motto „Gemeinsam besser“ helfen sie nicht nur den Tierfreunden, den Hausgenossen, der ihnen vorschwebt, zu finden oder Notfälle besser zu vermitteln, sondern sind auch gerüstet für Tierrettungsaktionen wie jetzt im Kreis Bergstraße. Wobei das nicht die erste war für den Heppenheimer Tierschutzverein: Im Dezember 2006 musste eine Wohnung geräumt werden, in der über sechzig Reptilien – inklusive lebenden Futters in Form von vorwiegend Mäusen und Ratten –, sogar ein Nilkrokodil, Pythons und Anacondas, auf engstem Raum gehaust hatten. Zwei Schildkröten und ein Kaiman hatten sich in der verlassenen Herberge sogar in die Dusche gerettet: nicht nur artgerechte Unterbringung, auch Wasser und Futter waren Fehlanzeige. „Das war furchtbar“, erinnert sich Antje Schütz, die damals mit Tierpflegerin Annett Fiedler auch zahlreiche tote Geschöpfe bergen musste. Später waren es meistens Kaninchen aus „Hobbyzuchten“, die aus dem Ruder gelaufen waren und gerettet werden mussten, und auch hier griff schon die Kooperation der angeschlossenen Tierschutzvereine.


„Das klappt immer super“, sagt Schütz und freut sich, dass 30 der 52 Katzen Aufnahme gefunden haben in den Tierheimen in Mainz, Ingelheim und Reichelsheim (Wetterau) sowie im Tierhilfeverein Keller-Ranch in Weiterstadt. Die übrigen 22 Tiere bleiben in Heppenheim, sind jetzt erst einmal versorgt und sollen nach und nach zur Ruhe kommen und wieder Freude am Leben gewinnen. Ob unter den 15 weiblichen Katzen, die im Außerhalb 65 Asyl gefunden haben, schon Mütter in spe zu finden sind? „Das ist nicht auszuschließen, von unseren sieben Katern sind nur drei kastriert gewesen. Wir werden sehen, was noch alles ans Licht kommt.“