Jahrelang Tiere gesammelt - Amt schreitet ein

Niddatal-Assenheim (hed). Zwölf Ponys, vier Hunde, knapp 80 Sittiche, mehrere Ziegen, Kaninchen, Geflügel und ein Hängebauchschwein - eine stattliche Zahl Tiere hat ein Assenheimer im Laufe der Jahre auf seinem Anwesen am Ortsrand angesammelt. Am Dienstag nun bekam der Mann Besuch vom Kreisveterinäramt, das ihm die in einem schlechten Zustand befindlichen Pferde, die Vögel und die Hunde abnahm.

 

Verwurmt und verwahrlost: Die von den Tierschützern abgeholten Ponys befinden sich in einem schlechten Zustand. »Das ist ein typischer Fall von ›Animal-Hoarding‹, von Tierhortung«, sagt Ralf Kurtze vom Landestierschutzverband in Hanau, den das Veterinäramt um Hilfe bei der Aktion gebeten hatte. Der Mann habe den Tieren sicher nichts antun wollen - im Gegenteil: Er leide unter einer psychischen Störung, einer krankhaften Tiersammelsucht.

 

Nach WZ-Informationen beobachtet das Veterinäramt des Wetteraukreises das Treiben des Mannes seit fast einem Jahrzehnt. Nachdem der Assenheimer eine letzte Frist verstreichen ließ, die Tiere selbst abzugeben, verhängte die Behörde nun ein Tierhalteverbot für die Pferde, die Hunde und die Vögel.

 

Der Tiersammler, der im Laufe der Jahre über 100 Lebewesen unter seine Fittiche genommen hatte, war augenscheinlich mit der Situation überfordert: Wie Kurtze berichtet, hätten die Tierschützer den - gerade für die Pferde viel zu kleinen - Hof und die Ställe völlig verdreckt vorgefunden. Alle Tiere seien zwar ausreichend gefüttert worden, gleichwohl habe es an der nötigen Pflege gefehlt. Besonders die Ponys hätten sich in einem schlechten Zustand befunden. »Alle Pferde waren verwurmt, hatten Parasiten auf der Haut.« Auch die Hufe hätten schlimm ausgesehen. Mehrere Stuten seien zudem trächtig. »Das hier Inzucht betrieben wurde, ist mehr als wahrscheinlich«, sagte Kurtze.

 

Die Hengste, von denen einige im Gnadenhof »Kellerranch« bei Weiterstadt untergekommen sind, sollen daher in zwei Wochen kastriert werden, wie Jutta Keller vom dortigen Tierhilfeverein berichtet. Man habe die Ponys entwurmt und gesäubert, nun will man für sie ein neues Zuhause suchen. Die anderen Pferde befinden sich im Tierheim Hochtaunus und bei Privatleuten.

 

Einen Hund darf der Mann möglicherweise behalten.

Während die Sittiche im Tierheim Butzbach untergekommen sind, wurden die vier Hunde an das Tierheim Wetterau in Bad Nauheim-Rödgen übergeben. Auch sie sollen mithilfe von Vereinen und Einrichtungen vermittelt werden, um ein Einschläfern oder - was im Falle der Ponys geschehen wäre - das Schlachten zu verhindern. Davor habe der Mann am meisten Angst gehabt, wie Amtstierärztin Jutta Flohr sagt. Auch wenn der Abholtermin von der Behörde angekündigt worden war, sei der Mann nach dem Eintreffen der Helfer - darunter auch zwei Polizeibeamte - völlig verstört und aufgewühlt gewesen. »Mit solchen Fällen haben wir fast täglich zu tun«, berichtet Flohr. Leider gebe es mittlerweile immer mehr Menschen, die emotional vereinsamten und sich - quasi als Ausgleich - dem Ansammeln von Tieren zuwendeten. »Er wollte für die Tiere eigentlich nur das Beste, hat aber nicht gemerkt, dass er ihnen durch sein Tun schadet.«

 

Noch sei der Assenheimer nicht bereit, sein Fehlverhalten einzugestehen. Flohr: »Solange er sich nicht helfen lassen will, können wir nichts tun.« Möglicherweise darf der Mann einen der Hunde behalten, zu dem er im Laufe der Jahre eine enge Bindung aufgebaut habe. Auch Schweine, Kaninchen und Geflügel dürfen vorerst auf dem Anwesen bleiben - sicherlich unter verschärfter Beobachtung der Tierschützer.

 

Wetterauer Zeitung (Artikel vom 15.04.2010)