Dreimal werden wir noch wach,

heißa – dann ist Weihnachtstag


So hatte sich das auch das Team des Gnadenhofs Tierhilfeverein Kellerranch e.V. in Weiterstadt vorgestellt. Doch kurz vor Weihnachten überschlagen sich die Ereignisse, aus einer ruhigeren Zeit wird erst mal nichts. Ein ungewöhnlicher Gast zog am 19. Dezember auf der Kellerranch ein, nachdem ein Gartenteich-Besitzer einen Fischreiher aus dem darüber liegenden Schutznetz befreit hatte. Doch anstatt in die Freiheit zu fliegen, rührte er sich nicht von der Stelle. Der nette Herr versuchte nun verzweifelt, telefonisch eine zuständige Stelle zu finden, die ihm weiterhelfen kann. Weder Tierheime, noch Förster oder Veterinäramt wussten einen Rat. Letztendlich rief er auf dem Gnadenhof an und konnte nach Stunden endlich sein ungewöhnliches Fundtier abgeben, netterweise mit einer großzügigen Spende. Der Fischreiher stammt vermutlich aus einer „späten Aufzucht“ und hatte sein Überlebensgewicht in der Freiheit noch nicht erreicht. Er ist relativ klein und unterernährt und stürzte sich hungrig auf das angebotene Futter. Sobald er aufgepäppelt und ausgewachsen ist, öffnen wir sein vorübergehendes zuhause und entlassen ihn in die Freiheit – jedoch mit der Möglichkeit, sich Futter abzuholen, wenn er es alleine noch nicht schafft, erklärt Sascha Keller, der sich auf dem Gnadenhof um die Federtiere kümmert.



Bereits im November wurde der Tierhilfeverein als Kooperationspartner der Initiative „Gemeinsam besser“ vom Tierheim Mainz um Hilfe in einem Tierschutzfall gebeten. Vor Ort angekommen, erregte jedoch ein King-Charles-Spaniel die Aufmerksamkeit des 1. Vorsitzenden, Karl-Heinz Keller. Zitternd, mit nur noch einem Auge, machte die Hündin vor lauter Unsicherheit unter sich. Sie kam mit dem hektischen Tierheim-Betrieb nicht zurecht und bot ein Bild des Elends. Die Tierheim-Leiterin erzählte, dass Sally, wie sie inzwischen genannt wird, auf einer 4spurigen Straße in Mainz mit einem heraus hängenden Auge und völlig ausgetrocknet gefunden und im Tierheim abgegeben wurde. Von dort ging es gleich zur Not-OP in die Tierklinik, das Auge war leider nicht mehr zu retten und musste entfernt werden. Zwei Tage später kam die Mainzer Tierheim-Leiterin zu Besuch auf den Gnadenhof und trug Sally auf dem Arm. Sie sollte sich auf der ruhigen Pflegestelle bei Jutta Keller erholen, denn augenscheinlich war sie auch als Zuchthündin missbraucht worden. So kam Sally nach Weiterstadt und hat sich durch ihr freundliches Wesen in die Herzen der Menschen und des bereits vorhandenen Hunderudels geschlichen. Sie durfte bleiben und wurde immer rundlicher. Der Ultraschall ergab am 21. Dezember – Sally kam nicht alleine, sie ist trächtig

Am 20. Dezember gibt es auch für ein 26-jähriges Pferd mit Hilfe des Veterinäramtes ein vorläufiges Happy End auf der Kellerranch. Der Tierhilfeverein stellt dort den Veterinärämtern für beschlagnahmte Tiere Notfall-Plätze zur Verfügung. 16 Jahre hatte die Stute ein schönes Leben, doch die letzten 10 Jahre musste sie in einer dunklen Box ohne Tageslicht, ohne Artgenossen und ohne Auslauf ihr Dasein fristen. Die Besitzerin hatte sich in den vergangenen 2 Jahren mehrfach geweigert, die Amtsveterinärin auf das Grundstück und nach dem Pferd sehen zu lassen. Daraufhin konnte das Veterinäramt eine einstweilige Verfügung erwirken und nun mit Hilfe der Polizei in einer dramatischen Rettungsaktion diesem Martyrium ein Ende bereiten. Das Pferd stand in seinem eigenen Mist, das Trinkwasser war eine abgestandene braune Brühe und es bekam wenig zu fressen. Karl-Heinz Keller organisierte auf Bitte der Veterinärin einen Pferdeanhänger, auf den sich das Pferd aufgeregt führen ließ. Auf der Kellerranch angekommen, will sie nur draußen vor dem Stall stehen, weigert sich in den Innenteil des Offenstalls zu gehen. Damit sie wenigstens über Nacht geschützt steht, wurde eine provisorische Tür gebaut, die sie jedoch aus Angst zwischenzeitlich zerstört hat. Zu tief sitzt das Misstrauen, wieder eingesperrt zu werden. Sie ist trotz allem eine neugierige, an der Umwelt interessierte Stute und zeigte bei ihrem ersten kleinen Ausflug auf die Freifläche mit einigen freudigen Galoppsprüngen, dass sie ihre Lebensfreude nicht verloren hat. Sie darf sich nun erst einmal erholen. Wie es mit ihr weitergeht, ist allerdings noch ungewiss, weil sie auch noch einige gesundheitliche Probleme hat.


Wer den Tierhilfeverein mit einer Tier-Patenschaft für eines der rund 300 Gnadenhof-Tiere oder mit einer Spende unterstützen möchte, erhält weitere Informationen:

Hier auf der Webseite oder unter der Telefonnummer 0177-2403211.